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Daimonion
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Als Daimonion (altgriechisch ΎαÎčÎŒÏΜÎčÎżÎœ daimĂłnion, lateinisch genius) wird in der antiken Literatur eine innere Stimme bezeichnet, die der Ăberlieferung zufolge dem Philosophen Sokrates warnende Zeichen gab, um ihn von Fehlentscheidungen abzuhalten. Sokrates hielt den Urheber dieser Zeichen fĂŒr eine Gottheit, die er nicht nĂ€her bestimmte. Er folgte den stets ohne BegrĂŒndung gegebenen Winken der Stimme, die sich nach seinen Angaben immer als sinnvoll und hilfreich erwiesen. Wenn das Daimonion schwieg, deutete er dies als Billigung seines Verhaltens. Da er ĂŒber seine Erfahrungen mit dem inneren Ratgeber redete, war seine Beziehung zu der mysteriösen Instanz in seiner Heimatstadt Athen allgemein bekannt. Gegner warfen ihm vor, eine religiöse Neuerung einzufĂŒhren. Diese Beschuldigung trug dazu bei, dass er im Jahr 399 v. Chr. zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.
Glaubhafte zeitgenössische Angaben zum Daimonion liegen nur spĂ€rlich vor. Die Hauptquellen sind Schilderungen von Sokratesâ SchĂŒlern Platon und Xenophon. Das PhĂ€nomen galt schon in der Antike als rĂ€tselhaft, fĂŒhrte zur Legendenbildung und gab zu unterschiedlichen ErklĂ€rungen Anlass. Platoniker betrachteten den Zeichengeber als hochrangigen Daimon, als ein göttliches Geistwesen, das als persönlicher Schutzgeist des Philosophen fungierte. Christliche Autoren sahen in dem Ratgeber teils einen Schutzengel, teils einen bösartigen DĂ€mon.
In der modernen Forschung gehen die Meinungen ĂŒber die Interpretation der Quellen auseinander. Ein zentrales Diskussionsthema ist die Frage, wie Sokrates seinen Anspruch, sich nur an der Vernunft zu orientieren, mit der Befolgung unbegrĂŒndeter RatschlĂ€ge von unklarer Herkunft vereinbaren konnte.
Contents
âą Wortbedeutung
âą 19. Jahrhundert
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
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Wortbedeutung
Das Wort Daimonion (âGottheitâ, âDĂ€monâ) ist die Substantivierung der Neutrumform des Adjektivs daimĂłnios (âgöttlichâ, âdĂ€monischâ), das von dem Substantiv Daimon (griechisch ÎŽÎ±ÎŻÎŒÏΜ daĂmĆn âgöttliches Wesenâ, âDĂ€monâ) abgeleitet ist. Bei Platon kommt es nach einer verbreiteten, aber umstrittenen Forschungsmeinung als elliptischer Ausdruck vor, das heiĂt als Adjektiv, wobei das zugehörige Substantiv â in diesem Fall Zeichen â ausgelassen ist. Dann ist die Bedeutung das göttliche/dĂ€monische [Zeichen]; gemeint ist die Mitteilung der inneren Stimme.cite-ref-1[1] Nach einer alternativen Interpretation verwendet Platon das Wort ebenso wie sein Zeitgenosse Xenophon als Substantiv mit der Bedeutung âdas Göttliche im Allgemeinenâ, âeine unbestimmte Gottheitâ. Dann ist nicht das Zeichen gemeint, sondern dessen Urheber.cite-ref-2[2]
Ein Daimon ist in der griechischen Mythologie, Volksreligion und Philosophie entweder ein Gott oder ein gottĂ€hnliches Geistwesen, das eine Mittelstellung zwischen Göttern und Menschen einnimmt. Ein solches Mittelwesen, ein âDĂ€monâ, kann hilfreich oder feindselig sein. Es handelt sich also nicht um DĂ€monen im Sinne der noch heute nachwirkenden christlichen Vorstellung von der durchweg bösartigen Natur aller DĂ€monen. In den Quellen wird der Ausdruck Daimon insbesondere dann verwendet, wenn von einer Einwirkung aus einer ĂŒbermenschlichen SphĂ€re die Rede ist, die nicht auf einen bestimmten namentlich bekannten Gott zurĂŒckgefĂŒhrt wird, sondern auf eine unbekannte höhere Macht.cite-ref-3[3] DemgemÀà beziehen sich auch das zugehörige Adjektiv daimonios und dessen Substantivierung auf eine nicht nĂ€her bestimmte göttliche Instanz. Diese Unbestimmtheit ist ein wichtiger Aspekt des philosophischen Wortgebrauchs bei den frĂŒhen Sokratikern, den SchĂŒlern des Sokrates. Der vage, abstrakte Ausdruck daimonion soll andeuten, dass die Zeichen der göttlichen Instanz zwar wahrgenommen werden, der Urheber selbst aber im Dunkel bleibt und daher nur allgemein als âetwas Göttlichesâ beschrieben werden kann. Unklar ist dabei, ob der Zeichengeber einer der Götter der Volksreligion ist oder ein eigenstĂ€ndiges âdĂ€monischesâ Geistwesen, das mit Sokrates Kontakt aufnimmt, oder eine geheimnisvolle rein innerliche Instanz, die sich nur im Geist des Sokrates betĂ€tigt.cite-ref-4[4]
Berichte aus der Epoche der Klassik
Allen Darstellungen von Zeitgenossen des Sokrates ist gemeinsam, dass das Daimonion als warnende Instanz erscheint, die von einzelnen Fehlern abhĂ€lt, ohne dies zu begrĂŒnden oder nĂ€here AufklĂ€rung zu geben. FĂŒr die Umwelt sind die Hinweise des Daimonions nicht wahrnehmbar; Sokrates ist der einzige, der die Stimme hört. Er ist immer nur der passive EmpfĂ€nger von ĂŒberraschenden Warnsignalen, die ihm âwiderfahrenâ. Es kommt nie vor, dass er die Initiative ergreift, um ein Zeichen bittet oder etwas von der göttlichen Instanz zu erfahren versucht. In Platons Darstellung beziehen sich die Warnungen des Daimonions ausschlieĂlich auf einzelne kurz bevorstehende Entscheidungen in der jeweiligen konkreten Situation, allgemeines Wissen wird nicht vermittelt.cite-ref-5[5] Das Ausbleiben eines warnenden Zeichens deutet Sokrates als stillschweigende Zustimmung der höheren Macht zu seiner aktuellen Absicht. Da das Daimonion keine BegrĂŒndungen oder Bewertungen gibt, hat es keine Ăhnlichkeit mit einem moralischen Sinn oder einer Stimme des Gewissens.cite-ref-6[6] Seine Winke dienen nicht nur der Vermeidung von ethisch relevanten Fehlentscheidungen, vielmehr verhindern sie generell, auch bei trivialen AnlĂ€ssen, ein âunrichtigesâ Vorgehen, das erfolglos bliebe oder nachteilige Folgen hĂ€tte.cite-ref-7[7]
Da Sokrates in seinem groĂen Freundes- und Bekanntenkreis von seinen Erlebnissen mit der höheren Macht zu erzĂ€hlen pflegte, waren diese allgemein bekannt. In Athen wurde viel darĂŒber gesprochen. Das Daimonion war eine der Besonderheiten, durch die Sokrates seinen MitbĂŒrgern als merkwĂŒrdiger AuĂenseiter auffiel.cite-ref-8[8]
Die zeitgenössischen Hauptquellen sind Berichte von zwei SchĂŒlern des Sokrates, Platon und Xenophon. Die wichtigsten Angaben stehen in der Apologie des Sokrates, der von Platon literarisch gestalteten Version der Verteidigungsrede, die Sokrates vor dem athenischen Volksgericht hielt, als er im Jahr 399 v. Chr. wegen Gottlosigkeit und VerfĂŒhrung der Jugend angeklagt war. Der Apologie zufolge lautete die Anklage, er missachte die Götter des Staatskults und fĂŒhre neue daimonia â göttliche Wesen, MĂ€chte oder Wirkungen â ein, also einen illegalen Kult. Damit war offenbar sein Daimonion gemeint.cite-ref-9[9]
In der Verteidigungsrede erklĂ€rt Sokrates, warum er zwar Privatleuten RatschlĂ€ge erteilt, nicht aber vor der Volksversammlung als Redner und Ratgeber der Menge auftritt und mitgestaltend in die Politik eingreift. Mit Recht warne ihn das Daimonion, seine innere Stimme, vor einer solchen politischen BetĂ€tigung. Der Grund dafĂŒr ist aus seiner Sicht, dass jemand wie er, der unter keinen UmstĂ€nden bereit ist, etwas Unrechtes hinzunehmen, sich sowohl in einer Demokratie als auch in einer Oligarchie den Herrschenden widersetzen muss. Mit einer solchen Haltung kann man aber nicht politisch erfolgreich sein. Wer konsequent fĂŒr Gerechtigkeit eintritt, wird sogar umgebracht, wenn er sich in die Politik einmischt, und damit wĂ€re niemandem gedient.cite-ref-10[10]
Sokrates beschreibt das Daimonion in der Apologie als âetwas Göttliches und Daimonischesâ, das ihm widerfĂ€hrt. Nach seinen Worten greift die göttliche Stimme seit seiner Kindheit nur ein, um ihm von einzelnen Absichten abzuraten; Empfehlungen spricht sie niemals aus. Oft unterbricht ihn das Daimonion mitten im Reden. Bisher hat es sich hĂ€ufig gemeldet, um ihn von etwas abzuhalten, und zwar immer dann, wenn er sich falsch verhalten wollte, auch bei geringen AnlĂ€ssen. Sokrates spricht von einem âZeichen des Gottesâ, das ihn stets vor falschen Schritten warne, jetzt aber hinsichtlich des Prozesses und angesichts der bevorstehenden Todesstrafe schweige. Aus dem Ausbleiben der göttlichen Warnung folgert er, dass die UnbekĂŒmmertheit und Offenherzigkeit, mit der er vor Gericht auftritt und ein Todesurteil in Kauf nimmt, nichts Schlechtes sein könne, und dass es keinen Grund gebe, den Tod fĂŒr ein Ăbel zu halten. Anderenfalls hĂ€tte das Daimonion interveniert und ihm Einhalt geboten.cite-ref-11[11]
Auch in einigen der fiktiven, literarischen Dialoge Platons, in denen der Autor seinen Lehrer Sokrates als GesprĂ€chspartner auftreten lĂ€sst, wird das Daimonion erwĂ€hnt. Im Euthyphron erfĂ€hrt man, dass die Anklage gegen Sokrates mit der Beschuldigung, er erfinde neue Götter, begrĂŒndet wurde. Dieser Vorwurf bezog sich auf die Behauptung des Philosophen, er höre die göttliche Stimme.cite-ref-12[12] Im Euthydemos erzĂ€hlt Sokrates, dass ihn eines Tages das âgewohnte göttliche Zeichenâ gehindert habe, aufzustehen und den Umkleideraum des Lykeion-Gymnasions zu verlassen. Weil er geblieben sei, habe sich dann ein philosophisches GesprĂ€ch mit Hinzukommenden ergeben.cite-ref-13[13] In der Politeia spielt Sokrates beilĂ€ufig auf die Warnung des Daimonions vor politischer BetĂ€tigung an und bemerkt dazu, er wisse nicht, ob er bisher der einzige Mensch sei, der ein solches Zeichen erhalte.cite-ref-14[14] Im Phaidros meldet sich die Stimme, um Sokrates bei einem Spaziergang vom Aufbruch abzuhalten; der Grund ist, dass er erst sein Gewissen reinigen und eine unmittelbar zuvor begangene Verfehlung berichtigen soll. Sokrates versteht, was die Stimme meint, er ahnte es schon vorher: Er hat schlecht ĂŒber den Gott Eros geredet und damit eine Verleumdung begangen. Dies hat er nun zu widerrufen.cite-ref-15[15] Im Theaitetos kommt Sokrates auf SchĂŒler zu sprechen, die sich von ihm getrennt haben, aber spĂ€ter wieder um Aufnahme gebeten haben. In manchen dieser FĂ€lle habe ihm das Daimonion angezeigt, dass er den Bittenden abweisen solle.cite-ref-16[16]
Auch im Ersten Alkibiades, einem Dialog, der entweder von Platon selbst verfasst wurde oder in seinem Umfeld entstand, ist vom Daimonion die Rede. Dort teilt Sokrates mit, âein gewisses daimonisches Hindernisâ habe ihn bisher davon abgehalten, an den jungen Alkibiades heranzutreten, doch jetzt leiste es keinen Widerstand mehr. Anscheinend hat â so Sokrates â die Gottheit das GesprĂ€ch frĂŒher nicht zugelassen, da Alkibiades, der kĂŒnftige berĂŒhmte Politiker und Stratege, noch zu unreif war und ein Zusammensein mit ihm daher fruchtlos geblieben wĂ€re.cite-ref-17[17]
Eine etwas andere Darstellung gibt Xenophon in seinen Erinnerungen an Sokrates. Nach Xenophons Wortgebrauch ist unter daimonion nicht das göttliche Zeichen zu verstehen, sondern das Göttliche schlechthin, die Gottheit im Allgemeinen als Urheber der Warnungen. Damit ist keine Sokrates persönlich zugeordnete Instanz gemeint.cite-ref-18[18] Teilweise bestĂ€tigt Xenophons Version die Angaben Platons; auch ihr zufolge pflegte Sokrates zu behaupten, das Daimonion gebe ihm Zeichen, was ihm seitens der AnklĂ€ger die Beschuldigung eintrug, er missachte die herkömmliche Religion und fĂŒhre neuartige göttliche Wesen ein. Im Gegensatz zu Platon teilt Xenophon jedoch mit, die Zeichen des Daimonions hĂ€tten nicht nur Sokratesâ eigene Angelegenheiten betroffen, vielmehr habe es ihm auch Hinweise fĂŒr seine Freunde gegeben, und es habe nicht nur von Fehlentscheidungen abgeraten, sondern auch Gutes empfohlen. Der Ausgang habe dann gezeigt, dass die RatschlĂ€ge denen, die sie befolgten, zugutegekommen seien, wĂ€hrend andere ihre Ignorierung der göttlichen Winke spĂ€ter bereut hĂ€tten. Dem Vorwurf der Feinde des Philosophen, er habe eine illegitime religiöse Neuerung eingefĂŒhrt, hĂ€lt Xenophon entgegen, die Warnungen des Daimonions seien normale Weissagungen aus der Welt der allgemein anerkannten Götter gewesen.cite-ref-19[19] Eine Besonderheit von Xenophons Schilderung ist eine Einzelheit, fĂŒr die er sich auf Hermogenes, einen SchĂŒler des Sokrates, beruft. Diesem habe der bereits angeklagte Philosoph auf den Vorschlag, seine Verteidigung vorzubereiten, geantwortet, die beste Rechtfertigung sei sein bisheriges Leben. Er habe zwar zunĂ€chst geplant, fĂŒr die Gerichtsverhandlung eine Rede zu entwerfen, doch dann habe das Daimonion diese Absicht missbilligt. Demnach war die Stellungnahme des Sokrates vor dem Gericht improvisiert.cite-ref-20[20]
AusfĂŒhrlich wird im Theages auf das Daimonion eingegangen. Dieser Dialog galt in der Antike als Werk Platons, wird aber in der neueren Forschung ĂŒberwiegend als nicht authentisch betrachtet. Er entstand wohl im 4. Jahrhundert. Der unbekannte Autor gibt ein fiktives GesprĂ€ch wieder, in dem sich Sokrates mit Demodokos, einem angesehenen BĂŒrger, und dessen ehrgeizigem Sohn Theages unterhĂ€lt. Demodokos möchte erreichen, dass sein junger Sohn unter die SchĂŒler des Sokrates aufgenommen wird. Der Philosoph zögert jedoch; er weist auf das Daimonion hin, erzĂ€hlt von seinen bisherigen Erfahrungen mit dieser Instanz und will abwarten, ob sie abrĂ€t. Die hier gegebene Beschreibung der göttlichen Stimme entspricht weitgehend den Angaben in Platons echten Dialogen, weist aber auch einen gewichtigen Unterschied zu ihnen auf: Im Theages ist die Funktion des inneren Ratgebers wie bei Xenophon stark ausgeweitet. Das Daimonion beschrĂ€nkt sich in diesem Dialog nicht auf Hinweise, die persönliche Angelegenheiten des Sokrates betreffen, sondern es ermöglicht dem Philosophen auch, vor schĂ€dlichen Vorhaben anderer zu warnen, etwa vor verhĂ€ngnisvollen militĂ€rischen Unternehmungen. Damit verleiht die Gottheit, die hinter dem Daimonion steht, den Worten des Sokrates eine zusĂ€tzliche AutoritĂ€t, die ĂŒber seine philosophische Kompetenz hinausreicht.cite-ref-23[23]
Hellenistische und kaiserzeitliche Deutungen
SpĂ€testens in der römischen Kaiserzeit, ansatzweise schon ab dem 4. Jahrhundert v. Chr., kam es zu einem Wandel im VerstĂ€ndnis des PhĂ€nomens der inneren Stimme. In den zeitgenössischen Darstellungen Platons und Xenophons hatte der Ausdruck daimonion dazu gedient, den unbestimmten, mysteriösen Charakter des göttlichen Urhebers der Zeichen anzudeuten. Damit hatten sich die Sokratiker offenbar an der authentischen Wortwahl des Sokrates orientiert. Dieser Sprachgebrauch sollte der voreiligen Identifizierung mit einer bestimmten Gottheit der Mythologie und Volksreligion vorbeugen.cite-ref-24[24] Kaiserzeitliche Rezipienten hingegen hielten sich nicht mehr an diese skeptische ZurĂŒckhaltung; das sokratische Daimonion wurde mit dem Daimon, einem persönlichen Schutzgott, gleichgesetzt und erhielt dadurch eine klare Bestimmung. Bei den kaiserzeitlichen Platonikern war dies die gĂ€ngige Interpretation. Man nahm an, dass jeder oder zumindest jeder gute Mensch einen Daimon als BeschĂŒtzer habe. Die Besonderheit der Eingebungen des Sokrates sah man nur in der auĂergewöhnlichen QualitĂ€t seiner Beziehung zu seinem herausragenden Daimon. So wurde das Daimonion des Sokrates in die allgemeine DĂ€monenlehre integriert und in diesem Rahmen interpretiert.cite-ref-25[25] Das PhĂ€nomen fand besondere Beachtung, weil es Gelegenheit bot, das Ineinandergreifen des Göttlichen und des Menschlichen zu erforschen. Man versuchte zu ergrĂŒnden, worum es sich bei der göttlichen Stimme handelte und in welcher Weise sie wirksam wurde.cite-ref-26[26]
Nach Ciceros Angaben interessierte sich der Stoiker Antipatros von Tarsos, der im 2. Jahrhundert v. Chr. lebte, fĂŒr das Daimonion des Sokrates und sammelte zahlreiche Berichte darĂŒber. Die Schrift des Antipatros, eine Abhandlung ĂŒber Weissagung, war zu Ciceros Zeit noch bekannt, ist aber heute verloren.cite-ref-27[27]
Bei den Epikureern stieĂ die ĂŒberlieferte Rolle des Daimonions auf heftige Ablehnung. Nach ihrer Lehre mischen sich die Götter nicht in menschliche Angelegenheiten ein. Die Epikureer meinten, dass Sokrates, den sie extrem negativ beurteilten, die göttlichen Hinweise aus Angeberei erfunden habe.cite-ref-28[28]
Der jĂŒdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus erwĂ€hnte in seiner Schrift Ăber die UrsprĂŒnglichkeit des Judentums (Gegen Apion) die von âeinigenâ vertretene Meinung, die Mitteilungen des Sokrates ĂŒber das Daimonion seien scherzhaft gemeint.cite-ref-29[29]
Um die Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert setzte sich der Mittelplatoniker Plutarch eingehend mit dem RĂ€tsel auseinander. Seine griechische Schrift Ăber das Daimonion des Sokrates ist ein philosophischer Dialog, in dem die GesprĂ€chsteilnehmer verschiedenartige ErklĂ€rungsversuche zum göttlichen Zeichen des Sokrates erörtern. Die fiktive Handlung spielt zwei Jahrzehnte nach der Hinrichtung des berĂŒhmten Denkers. Den Ausgangspunkt bildet eine Stellungnahme des Galaxidoros, eines Teilnehmers, der Mitteilungen ĂŒbermenschlicher Wesen fĂŒr Aberglauben hĂ€lt. Er lobt Sokrates, der sich nur auf seine Vernunft und auf Beweisbares verlassen habe, statt auf TrĂ€ume, Erscheinungen und Weissagungen zu achten. Demnach glaubte Sokrates zwar an die Götter, nicht aber an Gespenster und Fabeln, und war daher in der Lage, die Philosophie auf eine seriöse Grundlage zu stellen. Dieser EinschĂ€tzung wird aber von einem GesprĂ€chspartner entgegengehalten, dass der Philosoph den Hinweisen seines Daimonions gefolgt sei, die sich als berechtigt erwiesen hĂ€tten, was man in Anbetracht der Berichte von Augenzeugen nicht als Schwindel abtun könne.cite-ref-30[30] Galaxidoros versucht, das PhĂ€nomen mit einer banalen ErklĂ€rung herunterzuspielen: Er vermutet, Sokrates habe nur in bestimmten ZweifelsfĂ€llen, wenn keine der rationalen ErwĂ€gungen den Ausschlag geben konnte, auf ein Ă€uĂeres Zeichen, etwa ein Niesen, geachtet und davon seine Entscheidung abhĂ€ngig gemacht. Diese Interpretation stĂŒtzt sich zwar auf eine Ăberlieferung, die angeblich aus dem Umfeld des Sokrates stammt, stöĂt aber auf Widerspruch, denn sie scheint dem groĂen Denker ein unwĂŒrdiges Verhalten zu unterstellen.cite-ref-31[31] Darauf findet Galaxidoros eine geschickte Erwiderung. Er macht geltend, ein an sich unbedeutendes Vorzeichen könne durchaus ein bedeutendes Ereignis ankĂŒndigen, so wie etwa ein geringfĂŒgiges Symptom das Zeichen einer gravierenden Erkrankung sein könne oder ein leichtes Wölkchen einem Sturm vorangehe.cite-ref-32[32] AnschlieĂend wird die Diskussion durch eine Ablenkung unterbrochen, doch spĂ€ter wird der GesprĂ€chsfaden wieder aufgegriffen. Nun trĂ€gt Simmias von Theben, der Gastgeber des Kreises, eine andere Deutung vor. Als SchĂŒler des Sokrates verfĂŒgt Simmias ĂŒber die AutoritĂ€t eines Augenzeugen. Er berichtet, der Lehrmeister habe zwar nĂ€here Auskunft ĂŒber sein Daimonion verweigert, doch habe sein Verhalten ein Indiz geliefert. Er habe nĂ€mlich auf ErzĂ€hlungen von Visionen ablehnend reagiert, fĂŒr Berichte ĂŒber göttliche Stimmen hingegen habe er sich sehr interessiert. Daraus habe man in seinem SchĂŒlerkreis geschlossen, dass das Daimonion wohl kein optischer Eindruck sei, sondern eine innere Stimme oder das geistige Erfassen einer lautlosen Mitteilung, deren Urheber ein höheres Wesen sei. Nach Simmiasâ Theorie traten die Mitteilungen zwar im Wachzustand ins Bewusstsein des Sokrates, aber dies geschah so, wie man im Traum die Vorstellungen und geistigen Wahrnehmungen bestimmter Worte empfĂ€ngt und dabei glaubt sie zu hören, obwohl keine wirkliche Stimme erschallt. Im Prinzip sind â so die Hypothese des Simmias â solche Stimmen auch fĂŒr andere Menschen wahrnehmbar, doch steht dem ein Hindernis entgegen: âder Mangel an Harmonie, die Unruhe in ihnen selbstâ. Nur wer ĂŒber âein ungestörtes GemĂŒt und eine von keinen StĂŒrmen erregte Seeleâ verfĂŒgt, also wie Sokrates nicht unter dem Zwang der Affekte steht, kann die Botschaften vernehmen. Die Sonderstellung des Sokrates erklĂ€rt Simmias mit der auĂerordentlicher EmpfĂ€nglichkeit dieses Mannes. Sein Geist sei rein und ungetrĂŒbt von Leidenschaften gewesen und daher hochempfindlich und befĂ€higt, jeden Eindruck sehr schnell aufzunehmen.cite-ref-33[33]
Plutarch hielt nicht strikt an der Ăberlieferung in Platons Apologie fest, der zufolge das Daimonion immer nur abriet und niemals etwas empfahl. Bei ihm erhĂ€lt die göttliche Stimme eine beratende Funktion, die ĂŒber das bloĂe Warnen und Abhalten hinausgeht.cite-ref-34[34]
Im dritten Viertel des 2. Jahrhunderts verfasste der als Schriftsteller und Redner tĂ€tige Mittelplatoniker Apuleius die lateinische Abhandlung De deo Socratis (Ăber den Gott des Sokrates), die schriftlich verbreitete Fassung eines Vortrags, in dem er seine DĂ€monenlehre darlegte. In diesem Rahmen behandelte er unter anderem das Daimonion. Er meinte, das âgöttliche Zeichenâ, von dem bei Platon die Rede ist, sei wohl etwas Sichtbares gewesen, das heiĂt, Sokrates habe seinen Daimon nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit den Augen wahrgenommen. Nach diesem dĂ€monologischen Modell kann der Daimon dem Menschen als Ă€uĂere Gestalt erscheinen, zeigt sich aber gewöhnlich innerlich als innere Stimme; er weilt ânach Art des Gewissensâ unmittelbar im Innersten der Seele. Im Fall des Sokrates begnĂŒgte sich der Daimon mit Warnungen, da dieser Mann ein so vollendeter Weiser war, dass er keine Anleitung zur ErfĂŒllung seiner Aufgaben benötigte.cite-ref-35[35] Bei Apuleius ist die Sonderstellung des Sokrates als privilegierter EmpfĂ€nger göttlicher Mitteilungen deutlich relativiert. Er erscheint nicht als einzigartiger Liebling der Gottheit, sondern als Vorbild, dem man nacheifern soll und dem man Ă€hnlich werden kann. Im Prinzip ist jeder Mensch befĂ€higt, ein Philosoph wie Sokrates zu werden und wie dieser in ein enges VerhĂ€ltnis mit dem göttlichen Bereich zu treten, denn jeder hat seinen eigenen Daimon, einen hilfreichen Schutzgeist und Berater, an dem er sich so orientieren soll wie der groĂe Athener an seinem Daimonion.cite-ref-36[36]
Ein weiterer Mittelplatoniker, der sich mit dem Thema beschĂ€ftigte, war der Rhetor Maximos von Tyros, der im spĂ€ten 2. Jahrhundert lebte. In einer seiner Reden ging er auf das Daimonion des Sokrates ein, wobei er sich an Skeptiker wandte, die an der RealitĂ€t des PhĂ€nomens zweifelten. Er stellte es als weissagende Instanz dar, die nicht erstaunlicher sei als die allgemein geschĂ€tzten bekannten Orakel. Wie schon Apuleius zog er eine Parallele zu einem vergleichbaren PhĂ€nomen in Homers Ilias, wo die Göttin Athene erscheint, um Achilleus Einhalt zu gebieten.cite-ref-37[37] Nach Maximosâ Deutung handelt es sich um einen realen hilfreichen Daimon, der dem Philosophen als Schutzgeist beistand. Dem VerstĂ€ndnis dieses Interpreten zufolge ist das nichts Einzigartiges, es stellt keine Besonderheit des Sokrates dar, denn herausragende Persönlichkeiten stehen nach dem Willen der Götter in der Obhut persönlicher daimonischer Helfer.cite-ref-38[38]
Ein vernichtendes Urteil fĂ€llte im ausgehenden 2. und frĂŒhen 3. Jahrhundert der christliche Apologet Tertullian, der die ganze Ăberlieferung von der auĂergewöhnlichen Weisheit des Sokrates als IrrefĂŒhrung entlarven wollte, um die Philosophie durch Kritik an ihrem herausragenden ReprĂ€sentanten zu diskreditieren. Nach seiner Darstellung war das Daimonion ein reales Wesen, das einen verderblichen Einfluss ausĂŒbte und den ruhmsĂŒchtigen Philosophen von der Hinwendung zum Guten abhielt. Tertullian sah eine âdĂ€monischeâ Macht am Werk im Sinne der christlichen Vorstellung, der zufolge DĂ€monen teuflische Geschöpfe sind, die nur Unheil stiften. Das Daimonion habe mit Apollon zusammengewirkt, der ebenfalls ein solcher bösartiger DĂ€mon sei. Mit seinen AusfĂŒhrungen initiierte Tertullian die christliche Interpretation, die das Daimonion in die Reihe der bösen DĂ€monen stellt.cite-ref-39[39] So dachte auch der Apologet Minucius Felix, der wohl in der ersten HĂ€lfte des 3. Jahrhunderts den Dialog Octavius schrieb.cite-ref-40[40] Der Verfasser des Cyprian von Karthago (â 258) zugeschriebenen Traktats Quod idola dii non sint hielt das PhĂ€nomen ebenfalls fĂŒr teuflisch.cite-ref-41[41] Positiv urteilte hingegen ein Zeitgenosse Tertullians, der Kirchenvater Clemens von Alexandria. Er fasste das Daimonion als Schutzengel auf.cite-ref-42[42]
SpÀtantike Deutungen
Die spĂ€tantiken Neuplatoniker befassten sich in ihren Platon-Kommentaren mit der Deutung des Daimonions. Nach ihrer DĂ€monologie, die von Platons Konzept ausgeht, ist jedem Menschen ein Daimon als stĂ€ndiger Begleiter, Schutzgeist und Schicksalslenker zugeordnet. Sokrates als vorbildlicher Mensch hatte einen besonders erhabenen geistigen FĂŒhrer, der mehr als ein Mittelwesen zwischen Menschen und Göttern war; sein Ratgeber war ein Gott.cite-ref-43[43]
AusfĂŒhrlich ging im 5. Jahrhundert der einflussreiche Neuplatoniker Proklos in seinem Kommentar zum Ersten Alkibiades auf das Thema ein. Er erörterte die Natur der Kommunikation zwischen dem Philosophen und seinem Schutzgeist und die Frage, warum das Daimonion nur abriet und nie zuriet. Dabei betonte er, dass die göttliche Stimme nicht wie beim gewöhnlichen menschlichen Hören von auĂen gekommen sei, sondern von innen. Sie habe sich auf Warnungen beschrĂ€nkt und keine Anregungen gegeben, weil Sokrates keinen Ansporn zu guten Taten benötigt habe. Der Schutzgeist des Sokrates gehöre dem Bereich der reinigenden Macht des Gottes Apollon an.cite-ref-45[45] Besonders grĂŒndlich untersuchte er ein Problem, mit dem sich schon der namhafte Neuplatoniker Iamblichos und Proklosâ Lehrer Syrianos auseinandergesetzt hatten: die Frage, warum das Daimonion zulieĂ, dass Sokrates sich mit einem unwĂŒrdigen Menschen wie Alkibiades abgab.cite-ref-46[46]
Ein weiterer neuplatonischer Gelehrter, der sich zum göttlichen Zeichen Ă€uĂerte, war Hermeias von Alexandria, der wie Proklos den Unterricht des Syrianos besucht hatte. Hermeias befasste sich in seinem Kommentar zu Platons Phaidros mit dem Thema. Er betonte, dass das Daimonion weder ein Teil der Seele noch die personifizierte Philosophie sei, wie manche glaubten. Vielmehr sei es der persönliche Schutzgeist. Einen solchen hat â so Hermeias â zwar jeder Mensch, aber nur den diszipliniert Philosophierenden gelingt es, seine Anwesenheit zu bemerken. Erforderlich ist eine tugendhafte Lebensweise und Hinwendung zum göttlichen Bereich, wie sie Sokrates praktizierte. Die Mitteilungen des Daimonions werden nicht mit dem körperlichen Ohr gehört, sondern durch einen Wahrnehmungsakt der Seele mittels des Seelenfahrzeugs erfasst. Der Grund, aus dem sich der göttliche Ratgeber des Sokrates auf das Abraten beschrĂ€nkte, war sein Respekt vor der menschlichen Selbstbestimmung. HĂ€tte das Daimonion nicht nur gewarnt, sondern auch zugeraten, so wĂ€re die Folge gewesen, dass sich der Philosoph wie ein unvernĂŒnftiges und fremdbewegtes Wesen, das nichts aus sich selbst heraus tut, verhalten hĂ€tte.cite-ref-47[47]
Im 6. Jahrhundert ging einer der letzten paganen Neuplatoniker, Olympiodoros der JĂŒngere, in seinem Kommentar zum Ersten Alkibiades nur knapp auf das Daimonion ein.cite-ref-48[48]
Auch spĂ€tantike Kirchenschriftsteller nahmen zu dem PhĂ€nomen Stellung. Sie vertraten unterschiedliche Deutungen. Der Kirchenvater Eusebius von Caesarea erwog im frĂŒhen 4. Jahrhundert die Möglichkeit, dass das Daimonion fĂŒr Sokrates die Funktion eines Schutzengels hatte.cite-ref-49[49] Sein Zeitgenosse Laktanz hingegen, ein namhafter Apologet, zĂ€hlte das Daimonion zu den bösen DĂ€monen.cite-ref-50[50] Im frĂŒhen 5. Jahrhundert polemisierte Augustinus in seinem Werk Vom Gottesstaat gegen die DĂ€monenlehre des Apuleius. Er war der Ăberzeugung, alle DĂ€monen seien bösartig, und wandte sich gegen die Behauptung des Apuleius, die innere Stimme des Sokrates sei die eines wohlwollenden DĂ€mons gewesen. FĂŒr Augustinus gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder war der Ratgeber des Sokrates kein DĂ€mon oder er war schlecht.cite-ref-51[51]
Mittelalterliche und neuzeitliche Rezeption
Mittelalter und FrĂŒhe Neuzeit
Im FrĂŒh- und Hochmittelalter waren die einschlĂ€gigen Werke Platons und Xenophons ebenso wie die spĂ€tere griechische Literatur den lateinischsprachigen Gelehrten West- und Mitteleuropas unbekannt. Sie konnten aber der Schrift des Apuleius Ăber den Gott des Sokrates und der Polemik des Augustinus Informationen ĂŒber das Thema entnehmen.cite-ref-52[52]
Der Humanist Giannozzo Manetti, der 1440 die erste Sokrates-Biographie seit der Antike verfasste, beschrieb das Daimonion nach den ihm zugĂ€nglichen antiken Quellen. Manetti vertrat mit Berufung auf die âwahrheitsgemĂ€Ăeâ Darstellung Platons die Meinung, das Daimonion sei ein WĂ€chter oder Schutzengel, den Sokrates bei seiner Geburt erhalten habe.cite-ref-53[53]
Der Humanist und Platoniker Marsilio Ficino (1433â1499) befasste sich eingehend mit der DĂ€monologie des antiken Platonismus und speziell mit der Lehre vom persönlichen DĂ€mon als Schutzgeist des Menschen. Dabei setzte er sich in erster Linie mit der DĂ€monenlehre des Proklos auseinander. Auf das sokratische Daimonion ging er am ausfĂŒhrlichsten in seinem kleinen Kommentar (argumentum) zu Platons Apologiecite-ref-54[54] ein. An die Vorstellungen der spĂ€tantiken Neuplatoniker anknĂŒpfend stellte er fest, der DĂ€mon des Sokrates sei ein saturnischer Feuergeist und gehöre zu der höchsten Klasse in der hierarchischen Rangordnung der Schutzgeister. Diese Geistwesen seien so erhaben, dass man sie als Götter zu bezeichnen pflege. Herausragende Philosophen wie Sokrates und Plotin hĂ€tten solche Begleiter. Ficino erörterte auch die Frage, wie man sich das âHörenâ der Stimme des Schutzgeistes vorzustellen hat. Seine Absicht war, dieses platonische Gedankengut in sein christliches Weltbild zu integrieren.cite-ref-55[55]
Der humanistische Philosoph Michel de Montaigne (1533â1592), der Sokrates bewunderte, Ă€uĂerte sich zurĂŒckhaltend zum Daimonion. Nach seiner Vermutung war das Zeichen des antiken Denkers âein gewisser Antrieb des Willens, der sich bei ihm einstellte, ohne den Ratschlag seiner Vernunft abzuwartenâ. Diese Anwandlungen waren zwar unbedacht und ungeordnet, aber wahrscheinlich stets bedeutend und wĂŒrdig, befolgt zu werden. Montaigne meinte, jeder fĂŒhle in sich die Schattenbilder solcher Regungen eines plötzlich ungestĂŒm auftauchenden Gedankens. Er selbst hatte, wie er berichtet, derartige Regungen, wenngleich seltener als Sokrates, und war ihnen zu seinem GlĂŒck und Nutzen gefolgt. Daher könne man meinen, sie hĂ€tten etwas von göttlicher Eingebung.cite-ref-56[56]
Denis Diderot behandelte 1754 in seiner Schrift PensĂ©es sur lâinterprĂ©tation de la Nature (Gedanken zur Interpretation der Natur) die Frage der intuitiven FĂ€higkeiten in der Naturforschung. Nach seinen AusfĂŒhrungen verleiht eine groĂe Fertigkeit im Experimentieren ein Ahnungsvermögen, das den Charakter der Inspiration hat. Wenn man sich darĂŒber wie Sokrates tĂ€uscht, nennt man es einen vertrauten DĂ€mon. Sokrates hatte eine so erstaunliche Fertigkeit im Beurteilen von Menschen und im AbwĂ€gen von UmstĂ€nden, dass sich auch in den schwierigsten FĂ€llen eine schnelle und richtige Kombination insgeheim in ihm vollzog. Das ermöglichte ihm eine Voraussage, von der das Ereignis selbst kaum abwich. Diesen Vorgang verglich Diderot mit dem SpĂŒrsinn in der experimentellen Physik. Er stellte die Frage, wie man die FĂ€higkeit, neue Verfahren und Experimente und kĂŒnftige Ergebnisse mit dem Ahnungsvermögen zu âwitternâ, auf eine andere Person ĂŒbertragen könne. Seine Antwort lautete: Derjenige, der die Gabe besitzt, mĂŒsste zuerst in sich gehen, um deutlich zu erkennen, worin sie besteht, und dann den âvertrauten DĂ€monâ durch klare, verstĂ€ndliche Begriffe ersetzen und diese den anderen auseinandersetzen. Die FĂ€higkeit könnte beispielsweise das Voraussetzen oder Wahrnehmen von GegensĂ€tzen oder Analogien zwischen einzeln betrachteten Objekten oder das Erkennen von Wechselwirkungen zwischen im Zusammenhang betrachteten Dingen betreffen.cite-ref-57[57]
In der Malerei wurde das Motiv vereinzelt aufgegriffen. Auf einem 1776 entstandenen ĂlgemĂ€lde von François-AndrĂ© Vincent spricht Sokrates mit Alkibiades, wĂ€hrend ihm das engelhafte Daimonion von hinten zuflĂŒstert. Der dĂ€nische Maler Nicolai Abildgaard schuf 1784 ein ĂlgemĂ€lde, das Sokrates mit zwei schattenhaften Geistwesen zeigt, seinem Daimonion und einem bösartigen DĂ€mon. Das Daimonion hindert den DĂ€mon daran, den Philosophen anzusprechen. Das Motiv des guten und des schlechten Geistwesens, die den Menschen begleiten, stammt aus der Darstellung in Giannozzo Manettis Sokrates-Biographie.cite-ref-59[59]
19. Jahrhundert
Friedrich Schleiermacher befand, das Daimonion sei kein persönlicher Charakter und keine Erscheinung irgendeiner Art gewesen. Vielmehr handle es sich um âdas authentische Gebiet solcher schnellen sittlichen Urteile, die sich nicht auf deutliche GrĂŒnde zurĂŒckfĂŒhren lassen, und die er [Sokrates] also nicht seinem eigentlichen Ich zuschriebâ.cite-ref-60[60]
Georg Wilhelm Friedrich Hegel befasste sich eingehend mit dem Thema. Er betonte in seinen Vorlesungen ĂŒber die Geschichte der Philosophie den subjektiven, partikulĂ€ren Charakter des Daimonions. Man dĂŒrfe bei dem âberĂŒhmten Genius des Sokratesâ, einer âso viel beschwatzten Bizarrerie seines Vorstellensâ, keinesfalls an einen Schutzgeist oder Engel oder an das Gewissen denken. FĂŒr Hegel ist das Gewissen âdie Vorstellung allgemeiner IndividualitĂ€t, des seiner selbst gewissen Geistes, der zugleich allgemeine Wahrheit istâ. Der âDĂ€mon des Sokratesâ hingegen ist die âganz notwendige andere Seiteâ, die âEinzelheit des Geistesâ. Er steht in der Mitte zwischen dem ĂuĂerlichen der Orakel und dem rein Innerlichen des Geistes. Nach Hegels VerstĂ€ndnis machte das Daimonion Sokrates zu einem VorlĂ€ufer der modernen SubjektivitĂ€t. Trotz dieses zukunftsweisenden Aspekts beurteilte der Berliner Philosoph das PhĂ€nomen jedoch kritisch; er betrachtete es als Ausdruck eines pathologischen Zustands und befand: âSokrates ist getrieben.â Hegels abschĂ€tziges Urteil hatte seinen Grund im Inhalt der Mitteilungen der âgöttlichen Stimmeâ, in deren BeschrĂ€nkung auf Rat ĂŒber âpartikulĂ€re Erfolgeâ und damit auf âZufĂ€lligkeitenâ statt einer Bezugnahme auf AllgemeingĂŒltiges.cite-ref-61[61] Immerhin sah Hegel im Daimonion den Anfang davon, dass âder sich vorher nur jenseits seiner selbst versetzende Wille sich in sich verlegte und sich innerhalb seiner erkannteâ. Dies sei âder Anfang der sich wissenden und damit wahrhaften Freiheitâ.cite-ref-62[62]
SĂžren Kierkegaard analysierte das PhĂ€nomen ausfĂŒhrlich in seiner Dissertation von 1841. Nach seinem Befund ist Platons Darstellung, wonach die Stimme stets nur warnend eingriff, der âGedankenlosigkeitâ Xenophons, der eine antreibende Rolle hinzufĂŒgte, vorzuziehen. Das Wort Daimonion ist der Ausdruck fĂŒr etwas durchaus Abstraktes, das nach Art eines Instinktes wirkt. Diese Abstraktion setzte Sokrates an die Stelle der konkreten IndividualitĂ€t der Götter, womit er in ein polemisches VerhĂ€ltnis zur Staatsreligion trat. Somit entsprach die Anklage in diesem Punkt den Tatsachen; âdas DĂ€monischeâ bezeichnet âdas ganz und gar negative VerhĂ€ltnis des Sokrates zum Bestehenden in religiöser Hinsichtâ. Aus Kierkegaards Sicht ist das Daimonion kritisch zu bewerten. Sokrates konnte sich damit behelfen, es verschaffte ihm Sicherheit, doch war dies âbloĂ das egoistische Befriedigtsein einer partikularen Persönlichkeitâ. DarĂŒber urteilte Kierkegaard, man könne hier sehen, dass âdie SubjektivitĂ€t in ihrem sich ErgieĂen zum Stehen gebracht wirdâ, dass sie âsich in einer partikularen Persönlichkeit verschlieĂtâ.cite-ref-63[63]
Arthur Schopenhauer versuchte das PhĂ€nomen im Rahmen seiner Theorie der Ahnungen zu erklĂ€ren. Nach seiner Auffassung sind negative Ahnungen und VorgefĂŒhle Auswirkungen von âtheorematischenâ TrĂ€umen, die sich im tiefen Schlaf abspielen und von denen nichts im Bewusstsein zurĂŒckbleibt als ihr Eindruck auf das GemĂŒt, der âals weissagendes VorgefĂŒhl, als finstere Ahndungâ nachklingt. Ein solcher Eindruck bemĂ€chtigt sich der Person dann, wenn die ersten mit dem im Traum gesehenen UnglĂŒck zusammenhĂ€ngenden UmstĂ€nde in der Wirklichkeit eintreten. Dazu passt fĂŒr Schopenhauer das immer nur abmahnende Eingreifen der inneren Stimme des Sokrates.cite-ref-64[64]
Friedrich Nietzsche bezog das Daimonion in sein vernichtendes Urteil ĂŒber Sokrates ein. Er bezeichnete es als âGehörs-Hallucinationenâ, die ins Religiöse interpretiert worden seien. Dies sei eines der Merkmale der Dekadenz des Sokrates.cite-ref-65[65] Das PhĂ€nomen sei vielleicht âein Ohrleiden, das er sich gemÀà seiner herrschenden moralischen Denkungsart nur anders, als es jetzt geschehen wĂŒrde, auslegtâ.cite-ref-66[66] In der abmahnenden Funktion der inneren Stimme meinte Nietzsche einen SchlĂŒssel zum Wesen des Sokrates gefunden zu haben. Nach seinen Worten zeigte sich die âinstinctive Weisheitâ bei dieser âgĂ€nzlich abnormen Naturâ nur, um dem bewussten Erkennen hindernd entgegenzutreten. WĂ€hrend bei allen produktiven Menschen der Instinkt die schöpferisch-affirmative Kraft ist und das Bewusstsein sich kritisch und abmahnend gebĂ€rdet, wurde bei Sokrates der Instinkt zum Kritiker und das Bewusstsein zum Schöpfer. Darin sah Nietzsche einen monströsen Defekt.cite-ref-67[67]
Nur vereinzelt diente das Daimonion als Motiv in der bildenden Kunst. Der britische PrÀraffaelit Simeon Solomon schuf um 1865 die Zeichnung Socrates and his Agathodaemon. Dort steht der engelhafte Schutzgeist als nackter junger Mann neben dem Philosophen.cite-ref-68[68]
20. und 21. Jahrhundert
In der Forschung des 20. und 21. Jahrhunderts bildet gewöhnlich das Material in Platons Werken die Ausgangsbasis der Untersuchungen zum Daimonion, wĂ€hrend Xenophons Angaben nur ergĂ€nzend herangezogen werden. Man geht davon aus, dass entgegen Xenophons Darstellung das Daimonion tatsĂ€chlich, wie Platon behauptet, nur abriet und nie zuriet, wenngleich das Abraten auch als Ermutigung zum jeweils gegenteiligen Verhalten aufgefasst werden kann. Diese Gewichtung der Quellen hĂ€ngt damit zusammen, dass beim Versuch, die philosophische Position des historischen Sokrates zu rekonstruieren, Platons Sokratesbild generell favorisiert wird. Hinzu kommt, dass Platon bei der Gerichtsverhandlung anwesend war und Xenophon nicht. Allerdings enthalten sich manche Philosophiehistoriker ausdrĂŒcklich eines Urteils ĂŒber die Frage, ob Xenophons Version nicht doch eine zumindest teilweise bessere Ăberlieferung bieten könnte.cite-ref-69[69] In der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts und im 21. Jahrhundert ist im philosophiegeschichtlichen Diskurs vor allem die Frage erörtert worden, wie Sokrates die Respektierung der AutoritĂ€t des Daimonions mit seinem Anspruch, sich nur von einleuchtenden Argumenten ĂŒberzeugen zu lassen, vereinbaren konnte. Unterschiedliche LösungsvorschlĂ€ge haben kontroverse Diskussionen ausgelöst.cite-ref-70[70]
Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (1919) hielt das immer abmahnende Eingreifen der inneren Stimme fĂŒr einen Hinweis auf die ImpulsivitĂ€t des Sokrates, die er beherrschen lernte. Die FĂ€higkeit, solche inneren Warnungen zu beachten, habe sich der Philosoph durch eine Selbstkontrolle erworben, âdie ihm bei seiner Leidenschaftlichkeit sehr nötig warâ. Manche seiner SchĂŒler hĂ€tten ihm eine wirkliche Sehergabe zugetraut und ihm einen begleitenden, dienstbaren DĂ€mon beigelegt. Sie hĂ€tten keine AutoritĂ€t neben ihm gelten lassen und nur noch dem neuen DĂ€mon gehuldigt. Dies habe schlieĂlich zum Vorwurf der Gottlosigkeit und eines schlechten Einflusses auf die Jugend gefĂŒhrt, der Sokrates im Prozess zum VerhĂ€ngnis wurde.cite-ref-71[71]
Nach dem Urteil von Werner Jaeger (1944) beweist das Daimonion, dass Sokrates neben seiner geistigen FĂ€higkeit âdas Instinkthafte in höchstem MaĂ besaĂ, das der Rationalismus so oft vermissen lĂ€Ătâ. Dies und nicht die Stimme des Gewissens sei die Bedeutung des Daimonions.cite-ref-72[72]
Olof Gigon (1947) sah im Daimonion in erster Linie ein geschichtliches PhĂ€nomen, einen Charakterzug des historischen Sokrates, der an das Zeichen geglaubt habe. FĂŒr die frĂŒhe âSokratesdichtungâ, die Ăberlieferung der ersten Sokratikergeneration, in der âdie reine FaktizitĂ€t des Vorgefallenen durch Aus- und Umdeutung zu symbolischem Sinne erhoben wirdâ,cite-ref-73[73] sei ein solcher Zug nicht notwendig gewesen. Sie habe ihn aber vorgefunden und aufgenommen, âeher so, dass sie sich mit ihm abfandâ, ohne dabei seine âdramatischen und geistigen Möglichkeitenâ voll auszunĂŒtzen. Erst spĂ€ter sei das Daimonion als SonderphĂ€nomen auf dem Hintergrund einer allgemeinen spekulativen DĂ€monologie gedeutet worden.cite-ref-74[74]
Karl Jaspers (1957) verortete das Daimonion jenseits des rationalen Bereichs. Nach seiner Darstellung gab es konkrete einmalige Situationen, in denen Sokrates nicht durch rechtes Denken eine Entscheidung begrĂŒnden konnte. Daher benötigte er göttliche Hilfe, und diese bildete âdie Grenze, an der es Gehorsam ohne Einsicht gibtâ. Die Stimme brachte ihm keine Erkenntnis, und er folgte ihr ohne Einsicht. Sie war keine objektive Instanz, sondern inkommunikabel. Daher konnte er sich nicht zur Rechtfertigung auf sie berufen, sondern nur hinweisend von ihr berichten.cite-ref-75[75]
Zu einer völlig anderen EinschĂ€tzung gelangte Martha Nussbaum (1986). Sie meinte, das Daimonion sei kein Gott im traditionellen Sinn, sondern â als Neutrum â ein âgöttliches Dingâ, nĂ€mlich die menschliche Vernunft als Mittelding âzwischen dem Tier, das wir sind, und dem Gott, der wir sein könntenâ. Es handle sich um eine ironische Anspielung auf die fĂŒr Sokrates allein maĂgebliche AutoritĂ€t der Vernunft, die fĂŒr ihn der âGottâ sei, der wirklich Respekt verdiene.cite-ref-76[76]
Gernot Böhme (1988) wies darauf hin, dass Sokrates die Winke der inneren Stimme ohne weiteres als EinflĂŒsterungen oder Warnungen der Götter hĂ€tte bezeichnen können. Stattdessen drĂŒckte er sich sehr unbestimmt und Ă€uĂerst zurĂŒckhaltend aus. Er beharrte auf dem PhĂ€nomen, weigerte sich aber, es auf die traditionellen Urheber, die Götter, zurĂŒckzufĂŒhren. Seine auffĂ€llig reduzierte Redeweise ist â so Böhme â ein Produkt der AufklĂ€rung, die bereits hinter ihm liegt. Sie ist auch von seinen AnklĂ€gern so verstanden worden, als sie ihn beschuldigten, die Götter der Stadt nicht zu verehren. FĂŒr Böhme gehört das Daimonion notwendig zu dem âTyp Menschâ, den Sokrates verkörpert. Dieser Typus hat sich gegenĂŒber heterogenen Handlungsantrieben â seien es göttliche Anregungen oder aus dem Unbewussten herrĂŒhrende Triebe â abgeschottet, um als TĂ€ter der eigenen Taten aufzutreten. Aber gerade als der Typus, der durch Bewusstheit organisiert ist, ist er besonders sensibel fĂŒr die heterogenen Antriebe, die er in sich vorfindet. Das Daimonion ist als letztes Residuum solcher Impulse zu verstehen, nicht als ein tieferes Selbst des Sokrates, denn er erfĂ€hrt es als etwas, das er nicht selbst ist. Als Bewusster hat er alle positiven Handlungsantriebe in sein Selbst ĂŒbernommen. Die negativen, die âschlicht ein Nein sindâ, kommen aus einem Bereich, dessen er nicht Herr ist, ĂŒber den er keine Rechenschaft geben kann, den er aber akzeptiert. Er wollte das Irrationale zurĂŒckdrĂ€ngen, stieĂ aber auf Grenzen dieses Programms und entwickelte dann lieber Formen des Umgangs mit dem Irrationalen, statt es zu leugnen.cite-ref-77[77]
Gregory Vlastos (1989, 1991) hielt zwar das Daimonion fĂŒr eine âauĂerrationaleâ Informationsquelle, befand aber, das Nebeneinander von vernunftgemĂ€Ăer Ăberlegung und göttlicher Stimme sei kein Problem gewesen, denn Sokrates habe keineswegs zwei verschiedene Systeme der Rechtfertigung von Annahmen gehabt. Nach Vlastosâ Interpretation waren die Hinweise des Daimonions fĂŒr den Philosophen keine von der Vernunft unabhĂ€ngige und ihr ĂŒberlegene Quelle ethischer Gewissheit. Vielmehr legte er die Zeichen im Licht seiner kritischen Vernunft aus. Sie verschafften ihm eine subjektive BestĂ€rkung, hatten aber nie solches Gewicht, dass sie seine rational begrĂŒndeten Entscheidungen hĂ€tten Ă€ndern können. MaĂgeblich waren nur die VernunftgrĂŒnde.cite-ref-78[78]
Der von Vlastos vorgetragenen Interpretation widersprachen Thomas C. Brickhouse und Nicholas D. Smith (1994), die meinten, das Daimonion sei vernunftgemĂ€Ăen, aber dennoch falschen BeschlĂŒssen entgegengetreten und habe deren AusfĂŒhrung verhindert.cite-ref-79[79] Nach dem Befund von Michael Bingenheimer (1993) hingegen bestand die von Brickhouse und Smith angenommene Möglichkeit eines Konflikts zwischen Vernunft und göttlicher Stimme nicht. Bingenheimer deutete die Erfahrung des Daimonions als eine aus der religiösen SphĂ€re sich einstellende Sicherheit des Sokrates, mit seinem Tun und Denken in Ăbereinstimmung mit der göttlichen Weltordnung zu sein â âAusdruck einer glĂŒcklichen Persönlichkeit, fĂŒr die vernunftgemĂ€Ăes und religiöses Handeln in eins fĂ€lltâ.cite-ref-80[80]
Franz Vonessen (1993) kam zum Ergebnis, das Daimonion sei nicht eine besondere Instanz, sondern die Stimme eines Daimons. Dieser ist nach Vonessens VerstĂ€ndnis der AusfĂŒhrungen Platons keine von auĂen an Sokrates herantretende Gottheit, sondern als Innengott in ihm selbst zu finden: Der Daimon ist mit der Vernunft identisch. Vernunft ist zwar jedem Menschen gegeben und somit hat jeder einen solchen persönlichen Daimon, aber nicht jeder ist mit dem Göttlichen, das in ihm wohnt, in lebendigem Kontakt. Die Sonderstellung des Sokrates, der als einziger die göttliche Stimme hörte, ist aus der Sicht der Platoniker darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass er die Weisheit so weit erlangt hat, wie sie ĂŒberhaupt von Menschen erreicht werden kann: âDas heiĂt, fĂŒr ihn steht die Vernunft nicht mehr ĂŒber dem Ich, sondern das Ich fĂ€llt mit ihr, mit dem obersten Seelenteile, zusammen.âcite-ref-81[81]
Mark L. McPherran (1996) stimmte Vlastos darin zu, dass die Zeichen auĂerrationale PhĂ€nomene gewesen seien und dass Sokrates sie wenn immer möglich einer ĂberprĂŒfung unterzogen habe.cite-ref-82[82] Man dĂŒrfe sie aber nicht, wie es bei Vlastosâ Deutung der Fall sei, auf eine bloĂe gefĂŒhlsmĂ€Ăige Ahnung reduzieren. Vielmehr seien sie fĂŒr Sokrates durchaus die Basis fĂŒr die Konstruktion von AnsprĂŒchen auf ein besonderes moralisches Wissen gewesen, und er habe angenommen, dass es fĂŒr dieses Wissen eine vernunftgemĂ€Ăe Grundlage gebe, wenngleich er keine Unfehlbarkeit habe unterstellen können. McPherrans Ăberlegung dazu ist: Da sich die Zeichen immer auf ZukĂŒnftiges bezogen, das zum jeweiligen Zeitpunkt nicht oder nur in begrenztem MaĂ einschĂ€tzbar war, war es durchaus mit einer rationalen Grundhaltung vereinbar, solchen Hinweisen Vertrauen zu schenken. Die ZuverlĂ€ssigkeit der Informationsquelle konnte jeweils nachtrĂ€glich ĂŒberprĂŒft werden, und da sie sich dabei stets bestĂ€tigt hatte, war die Entscheidung, ihr weiterhin zu vertrauen, rational begrĂŒndbar.cite-ref-83[83]
Zu einer Ă€hnlichen EinschĂ€tzung gelangte Richard Kraut (2000). Er meinte, Sokrates habe die VerlĂ€sslichkeit seiner inneren Stimme ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum kritisch geprĂŒft und sich dann erst ihrer Leitung anvertraut. Daher sei seine Haltung rational begrĂŒndet. Kraut betonte, die befremdliche Wirkung der AusfĂŒhrungen des Philosophen vor Gericht sei zwangslĂ€ufig eingetreten, denn sein Anspruch auf eine einzigartige göttliche Privatoffenbarung habe arrogant gewirkt und sei fĂŒr konservative religiöse Kreise eine Herausforderung gewesen.cite-ref-84[84]
C. David C. Reeve (2000) identifizierte den Urheber der Warnungen des Daimonions mit dem Gott Apollon. Zumindest gelte dies fĂŒr den Standpunkt von Platons Dialogfigur Sokrates, unabhĂ€ngig von der Frage nach deren VerhĂ€ltnis zur historischen Person.cite-ref-85[85]
Thomas C. Brickhouse und Nicholas D. Smith (2005) wandten sich gegen den âreduktionistischenâ Ansatz von Vlastos, der dem Quellenbefund nicht gerecht werde, und setzten ihm eine empiristische, âreliabilistischeâ Interpretation entgegen. Demnach konnte Sokrates aufgrund einer Vielzahl von Erfahrungen zu der rationalen Folgerung kommen, die Hinweise des Daimonions seien verlĂ€sslich und hilfreich, auch wenn er ĂŒber deren Ursprung und den Grund der ZuverlĂ€ssigkeit kein Wissen besaĂ. Der empirische Befund reichte als triftige BegrĂŒndung fĂŒr diese Folgerung aus.cite-ref-86[86]
Mark Joyal (2005) erinnerte an die Bedeutung des âsokratischen Problemsâ, der generellen Ungewissheit ĂŒber die Ansichten des historischen Sokrates. Er wies darauf hin, dass diese Unsicherheit auch das VerstĂ€ndnis des Daimonions betrifft. Die Debatten drehen sich um das Sokratesbild der jeweils erörterten literarischen Quelle, wĂ€hrend die Frage nach der historischen Wahrheit offen bleibt.cite-ref-87[87]
Anthony A. Long (2006) machte gegen Vlastosâ Sichtweise geltend, dass man das Bekenntnis des Sokrates zur Vernunft nicht mit der Annahme eines irrationalen Daimonions vereinbaren könne. Somit sei davon auszugehen, dass der Philosoph das Handeln dieser Instanz und seine Beachtung der Warnungen als rational aufgefasst habe. In vielen FĂ€llen habe er klare GrĂŒnde gefunden, die das Abraten der inneren Stimme als sinnvoll erscheinen lieĂen. Den Hintergrund habe seine Ăberzeugung gebildet, dass die menschliche Vernunft göttlichen Ursprungs sei und daher im Einklang mit dem Bestreben der Gottheit stehe und dass eine göttliche Stimme ihrer Natur nach nur VernĂŒnftiges verkĂŒnden könne. Zahlreiche Erfahrungen hĂ€tten ihn in diesem VerstĂ€ndnis bestĂ€rkt, und die ZuverlĂ€ssigkeit der Warnungen habe ihm einen guten Grund gegeben, der Informationsquelle zu vertrauen.cite-ref-88[88]
Weitere Forschungsdiskussionen drehen sich um die Fragen, ob die Stimme des Daimonions einem der traditionellen Götter der griechischen Mythologie, etwa Apollon, zuzuordnen ist, wie Luc Brisson (2005) meint,cite-ref-89[89] und ob der Mitteilende ein allwissender Weltlenker ist, wie Mark L. McPherran (2005) glaubt,cite-ref-90[90] oder ob es sich nur um eine innere Instanz handelt, die nicht von der AuĂenwelt her eingreift, sondern sich nur im Geist des Sokrates betĂ€tigt, wie Gerd Van Riel (2005) annimmt.cite-ref-91[91]
Literatur
Aufsatzsammlungen
âą Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy. Academic Printing and Publishing, Kelowna 2005, ISBN 0-920980-91-0
âą Nicholas D. Smith, Paul B. Woodruff (Hrsg.): Reason and Religion in Socratic Philosophy. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-513322-6
Untersuchungen zur Rezeption in der Klassik
âą Anthony A. Long: How Does Socratesâ Divine Sign Communicate with Him? In: Sara Ahbel-Rappe, Rachana Kamtekar (Hrsg.): A Companion to Socrates. Blackwell, Malden 2006, ISBN 1-4051-0863-0, S. 63â74
âą Mark A. Joyal: âThe Divine Sign Did Not Oppose Meâ: A Problem In Platoâs Apology? In: Mark Joyal (Hrsg.): Studies in Plato and the Platonic Tradition. Essays Presented to John Whittaker. Ashgate, Aldershot 1997, ISBN 0-86078-647-1, S. 43â58
Untersuchungen zur nachklassischen Rezeption
âą Klaus Döring: Plutarch und das Daimonion des Sokrates. In: Mnemosyne 37, 1984, S. 376â392
âą Mark Joyal: Tradition and Innovation in the Transformation of Socratesâ Divine Sign. In: Lewis Ayres (Hrsg.): The Passionate Intellect. Transaction, New Brunswick/London 1995, ISBN 1-56000-210-7, S. 39â56
âą Geert Roskam: Voice or Vision? Socratesâ Divine Sign and Homeric Epiphany in Late Platonism and Beyond. In: American Journal of Philology 135, 2014, S. 359â385
âą Geert Roskam: Socratesâ ΎαÎčÎŒÏΜÎčoΜ in Maximus of Tyre, Apuleius, and Plutarch. In: Françoise Frazier, Delfim F. LeĂŁo (Hrsg.): TychĂš et Pronoia. La marche du monde selon Plutarque. Centro de Estudos ClĂĄssicos e HumanĂsticos da Universidade de Coimbra, Coimbra 2010, ISBN 978-989-8281-52-4, S. 93â108
Weblinks
âą Michael Trapp: Representing Socratesâ daimonion, from Heiligenkreuz to Simeon Solomon
Anmerkungen
cite-note-11. â Luc Brisson: Socrates and the Divine Signal according to Platoâs Testimony: Philosophical Practice as Rooted in Religious Tradition. In: Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. 1â12, hier: 2 f.; Pierre DestrĂ©e: The Daimonion and the Philosophical Mission â Should the Divine Sign Remain Unique to Socrates? In: Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. 63â79, hier: 64.
cite-note-22. â Louis-AndrĂ© Dorion: Lâautre Socrate, Paris 2013, S. 287â290. Vgl. Andrei Timotin: La dĂ©monologie platonicienne, Leiden/Boston 2012, S. 53 f. und Anm. 49.
cite-note-33. â Michael Bingenheimer (Ăbersetzer): Lucius Apuleius von Madaura: De deo Socratis. Der Schutzgeist des Sokrates, Frankfurt 1993, S. 36â40; Andrei Timotin: La dĂ©monologie platonicienne, Leiden/Boston 2012, S. 16â19.
cite-note-44. â Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. VIII f.
cite-note-55. â Luc Brisson: Socrates and the Divine Signal according to Platoâs Testimony: Philosophical Practice as Rooted in Religious Tradition. In: Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. 1â12, hier: 4 f., 11.
cite-note-66. â Bruno Centrone: Il daimonion di Socrate nello pseudoplatonico Teage. In: Gabriele Giannantoni, Michel Narcy (Hrsg.): Lezioni socratiche, Napoli 1997, S. 329â348, hier: 342.
cite-note-77. â Mark A. Joyal: âThe Divine Sign Did Not Oppose Meâ: A Problem In Platoâs Apology? In: Mark Joyal (Hrsg.): Studies in Plato and the Platonic Tradition, Aldershot 1997, S. 43â58, hier: 44â46.
cite-note-88. â Michael Bingenheimer (Ăbersetzer): Lucius Apuleius von Madaura: De deo Socratis. Der Schutzgeist des Sokrates, Frankfurt 1993, S. 59.
cite-note-99. â Platon, Apologie des Sokrates 24bâc. Vgl. Thomas C. Brickhouse, Nicholas D. Smith: Socrates on Trial, Oxford 1989, S. 34â36.
cite-note-1010. â Platon, Apologie des Sokrates 31câ33a. Vgl. Thomas C. Brickhouse, Nicholas D. Smith: Socrates on Trial, Oxford 1989, S. 169â173; Gregory Vlastos: Socrates. Ironist and moral philosopher, Cambridge 1991, S. 286 f.
cite-note-1111. â Platon, Apologie des Sokrates 31câd, 40aâc. Vgl. Thomas C. Brickhouse, Nicholas D. Smith: Socrates on Trial, Oxford 1989, S. 237â256.
cite-note-1212. â Platon, Euthyphron 3b. Vgl. Maximilian Forschner (Ăbersetzer): Platon: Euthyphron, Göttingen 2013, S. 52â58.
cite-note-1313. â Platon, Euthydemos 272eâ273a.
cite-note-1414. â Platon, Politeia 496c.
cite-note-1515. â Platon, Phaidros 242bâ243b. Vgl. Ernst Heitsch (Ăbersetzer): Platon: Phaidros, Göttingen 1993, S. 89.
cite-note-1616. â Platon, Theaitetos 151a.
cite-note-1717. â Alkibiades I 103aâb, 105dâ106a, 124câd. Vgl. Klaus Döring (Ăbersetzer): Platon: Erster Alkibiades, Göttingen 2016, S. 67â70, 114 f.
cite-note-1818. â Louis-AndrĂ© Dorion: Lâautre Socrate, Paris 2013, S. 276â281.
cite-note-1919. â Xenophon, Erinnerungen an Sokrates 1,1,1â5; 4,3,12; 4,8,1. Vgl. Louis-AndrĂ© Dorion: Lâautre Socrate, Paris 2013, S. 281â287, 295; Thomas L. Pangle: The Socratic Way of Life: Xenophonâs Memorabilia, Chicago/London 2018, S. 12â14.
cite-note-2020. â Xenophon, Erinnerungen an Sokrates 4,8,5. Vgl. Louis-AndrĂ© Dorion: Lâautre Socrate, Paris 2013, S. 285 f.; Mark A. Joyal: âThe Divine Sign Did Not Oppose Meâ: A Problem In Platoâs Apology? In: Mark Joyal (Hrsg.): Studies in Plato and the Platonic Tradition, Aldershot 1997, S. 43â58, hier: 54â56.
cite-note-2121. â Cicero, De divinatione 1,122.
cite-note-2222. â Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike, Band 3, Stuttgart-Bad Cannstatt 1993, S. 315.
cite-note-2323. â Theages 128dâ131a. Vgl. Klaus Döring (Ăbersetzer): [Platon]: Theages, Göttingen 2004, S. 49â71; Bruno Centrone: Il daimonion di Socrate nello pseudoplatonico Teage. In: Gabriele Giannantoni, Michel Narcy (Hrsg.): Lezioni socratiche, Napoli 1997, S. 329â348, hier: 334â348; Mark Joyal (Hrsg.): The Platonic Theages, Stuttgart 2000, S. 72â103, 128â130.
cite-note-2424. â Mark Joyal: Tradition and Innovation in the Transformation of Socratesâ Divine Sign. In: Lewis Ayres (Hrsg.): The Passionate Intellect, New Brunswick/London 1995, S. 39â56, hier: 42 f.
cite-note-2525. â Mark Joyal: Tradition and Innovation in the Transformation of Socratesâ Divine Sign. In: Lewis Ayres (Hrsg.): The Passionate Intellect, New Brunswick/London 1995, S. 39â56, hier: 39â43, 55 f.; Louis-AndrĂ© Dorion: Lâautre Socrate, Paris 2013, S. 298â300.
cite-note-2626. â Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike, Band 3, Stuttgart-Bad Cannstatt 1993, S. 316; Klaus Döring: Exemplum Socratis, Wiesbaden 1979, S. 11.
cite-note-2727. â Cicero, De divinatione 1,123. Vgl. Klaus Döring: Exemplum Socratis, Wiesbaden 1979, S. 6.
cite-note-2828. â Knut Kleve: Scurra Atticus. The Epicurean View of Socrates. In: ÎŁÏ
ζΟÏηÏÎčÏ. Studi sullâepicureismo greco e romano offerti a Marcello Gigante, Neapel 1983, S. 227â251, hier: 242 f.
cite-note-2929. â Flavius Josephus, Ăber die UrsprĂŒnglichkeit des Judentums 2,263.
cite-note-3030. â Plutarch, Ăber das Daimonion des Sokrates 9 f. Vgl. Pierluigi Donini: Sokrates und sein DĂ€mon im Platonismus des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. In: Matthias Baltes (Ăbersetzer) u. a.: Apuleius: De deo Socratis. Ăber den Gott des Sokrates, Darmstadt 2004, S. 142â161, hier: 149â151.
cite-note-3131. â Plutarch, Ăber das Daimonion des Sokrates 11 f. Vgl. Olof Gigon: Sokrates. Sein Bild in Dichtung und Geschichte, 3. Auflage, TĂŒbingen/Basel 1994, S. 176 f.
cite-note-3232. â Plutarch, Ăber das Daimonion des Sokrates 12. Siehe zur Rolle des Galaxidoros Daniel Babut: La part du rationalisme dans la religion de Plutarque: lâexemple du De genio Socratis. In: Daniel Babut: Parerga, Lyon 1994, S. 431â408, hier: 393â408.
cite-note-3333. â Plutarch, Ăber das Daimonion des Sokrates 20 f. Vgl. Klaus Döring: Plutarch und das Daimonion des Sokrates. In: Mnemosyne 37, 1984, S. 376â392, hier: 379â381; Stephan Schröder: Plutarch on oracles and divine inspiration. In: Heinz-GĂŒnther Nesselrath (Hrsg.): Plutarch: On the daimonion of Socrates, TĂŒbingen 2010, S. 145â168, hier: 159â168; Andrei Timotin: La dĂ©monologie platonicienne, Leiden/Boston 2012, S. 246â249.
cite-note-3434. â Jan Opsomer: Plutarchâs Defence of the Theages, in Defence of Socratic Philosophy? In: Philologus 141, 1997, S. 114â136, hier: 115â121; Pierluigi Donini: Sokrates und sein DĂ€mon im Platonismus des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. In: Matthias Baltes (Ăbersetzer) u. a.: Apuleius: De deo Socratis. Ăber den Gott des Sokrates, Darmstadt 2004, S. 142â161, hier: 150 f.
cite-note-3535. â Apuleius, Ăber den Gott des Sokrates 17â20. Vgl. Geert Roskam: Voice or Vision? Socratesâ Divine Sign and Homeric Epiphany in Late Platonism and Beyond. In: American Journal of Philology 135, 2014, S. 359â385, hier: 368â370; Andrei Timotin: La dĂ©monologie platonicienne, Leiden/Boston 2012, S. 282â286; Marie-Luise Lakmann: EinfĂŒhrung in die Schrift. In: Matthias Baltes (Ăbersetzer) u. a.: Apuleius: De deo Socratis. Ăber den Gott des Sokrates, Darmstadt 2004, S. 11â44, hier: 33.
cite-note-3636. â Philippe Hoffmann: Le sage et son dĂ©mon. La figure de Socrate dans la tradition philosophique et littĂ©raire. In: Ăcole Pratique des Hautes Ătudes, Section des Sciences Religieuses: Annuaire. RĂ©sumĂ©s des confĂ©rences et travaux, Band 94, 1985â1986, S. 417â435, hier: 429â431; Andrei Timotin: La dĂ©monologie platonicienne, Leiden/Boston 2012, S. 259, 278 f.
cite-note-3737. â Maximos von Tyros, Reden 8,1â3. Vgl. Geert Roskam: Voice or Vision? Socratesâ Divine Sign and Homeric Epiphany in Late Platonism and Beyond. In: American Journal of Philology 135, 2014, S. 359â385, hier: 365â368; Andrei Timotin: La dĂ©monologie platonicienne, Leiden/Boston 2012, S. 283 f.
cite-note-3838. â Maximos von Tyros, Reden 8,6â8. Vgl. Geert Roskam: Socratesâ ΎαÎčÎŒÏΜÎčoΜ in Maximus of Tyre, Apuleius, and Plutarch. In: Françoise Frazier, Delfim F. LeĂŁo (Hrsg.): TychĂš et Pronoia, Coimbra 2010, S. 93â108, hier: 96â99.
cite-note-3939. â Tertullian, Apologeticum 22,1; 46,5; De anima 1,2â6; 39,3. Vgl. Lucia Saudelli: Le Socrate de Tertullien. In: Revue dâĂ©tudes augustiniennes et patristiques 59, 2013, S. 23â53, hier: 39â48; Klaus Döring: Exemplum Socratis, Wiesbaden 1979, S. 154â160.
cite-note-4040. â Minucius Felix, Octavius 26,8 f.; 38,5. Vgl. Mark Edwards: Socrates and the early Church. In: Michael Trapp (Hrsg.): Socrates from antiquity to the Enlightenment, Aldershot 2007, S. 127â141, hier: 130.
cite-note-4141. â (Pseudo-)Cyprian von Karthago, Quod idola dii non sint 6.
cite-note-4242. â Clemens von Alexandria, Stromateis 5,91,5. Vgl. Edgar FrĂŒchtel: Einige Bemerkungen zum Sokratesbild bei Clemens Alexandrinus. In: Wolfgang von der Weppen u. a. (Hrsg.): Sokrates im Gang der Zeiten, TĂŒbingen 2006, S. 57â76, hier: 66â68.
cite-note-4343. â Siehe zur neuplatonischen DĂ€monologie Andrei Timotin: La dĂ©monologie platonicienne, Leiden/Boston 2012, S. 286, 301â318; Mark Joyal: Tradition and Innovation in the Transformation of Socratesâ Divine Sign. In: Lewis Ayres (Hrsg.): The Passionate Intellect, New Brunswick/London 1995, S. 39â56, hier: 39â41; Alain Philippe Segonds (Hrsg.): Proclus: Sur le Premier Alcibiade de Platon, Band 1, Paris 1985, S. 64, 166.
cite-note-4444. â Calcidius, Kommentar zu Platons Timaios 288.
cite-note-4545. â Proklos, Kommentar zum Ersten Alkibiades 78â85, hrsg. von Alain Philippe Segonds: Proclus: Sur le Premier Alcibiade de Platon, Band 1, Paris 1985, S. 63â70; vgl. S. 166â170.
cite-note-4646. â Proklos, Kommentar zum Ersten Alkibiades 85â93, hrsg. von Alain Philippe Segonds: Proclus: Sur le Premier Alcibiade de Platon, Band 1, Paris 1985, S. 70â77; vgl. S. 170â175.
cite-note-4747. â Hermeias von Alexandria, Kommentar zu Platons Phaidros 1,64. Siehe dazu Hildegund Bernard (Ăbersetzerin): Hermeias von Alexandrien: Kommentar zu Platons âPhaidrosâ, TĂŒbingen 1997, S. 69 f. und die Anmerkungen zu S. 157â164; Geert Roskam: Voice or Vision? Socratesâ Divine Sign and Homeric Epiphany in Late Platonism and Beyond. In: American Journal of Philology 135, 2014, S. 359â385, hier: 375â378; Philippe Hoffmann: Le sage et son dĂ©mon. La figure de Socrate dans la tradition philosophique et littĂ©raire (suite). In: Ăcole Pratique des Hautes Ătudes, Section des Sciences Religieuses: Annuaire. RĂ©sumĂ©s des confĂ©rences et travaux, Band 96, 1987â1988, S. 272â279.
cite-note-4848. â Olympiodoros der JĂŒngere, Kommentar zum Ersten Alkibiades 21,1â14. Vgl. François Renaud: Socratesâ Divine Sign: From the Alcibiades to Olympiodorus. In: Marguerite Johnson, Harold Tarrant (Hrsg.): Alcibiades and the Socratic Lover-Educator, London 2012, S. 190â199, hier: 194.
cite-note-4949. â Eusebius von Caesarea, Praeparatio evangelica 13,13,6. Vgl. Mark Edwards: Socrates and the early Church. In: Michael Trapp (Hrsg.): Socrates from antiquity to the Enlightenment, Aldershot 2007, S. 127â141, hier: 132.
cite-note-5050. â Laktanz, Divinae institutiones 2,14,9.
cite-note-5151. â Augustinus, Vom Gottesstaat 8,14.
cite-note-5252. â Siehe dazu Lenka KarfĂkovĂĄ: Augustins Polemik gegen Apuleius. In: Matthias Baltes (Ăbersetzer) u. a.: Apuleius: De deo Socratis. Ăber den Gott des Sokrates, Darmstadt 2004, S. 162â189, hier: 165â171.
cite-note-5353. â Giannozzo Manetti: Lebensbeschreibungen des Sokrates und Senecas, Vita Socratis 45 f., 48â50, hrsg. von Stefano U. Baldassarri, Rolf Bagemihl: Giannozzo Manetti: Biographical Writings, Cambridge (Massachusetts)/London 2003, S. 214â221. Vgl. James Hankins: Manettiâs Socrates and the Socrateses of Antiquity. In: Stefano U. Baldassarri (Hrsg.): Dignitas et excellentia hominis, Florenz 2008, S. 203â219, hier: 212â214.
cite-note-5454. â Lateinischer Text und englische Ăbersetzung bei Michael J. B. Allen: Synoptic Art, Florenz 1998, S. 197â208.
cite-note-5555. â Michael J. B. Allen: Synoptic Art, Florenz 1998, S. 130â147; Michael J. B. Allen: Platoâs Third Eye, Aldershot 1995, Nr. XIV S. 64â68; Stephen Gersh (Hrsg.): Marsilio Ficino: Commentary on Plotinus, Band 4, Cambridge (Massachusetts)/London 2017, S. CXVIII f., 286 f.; Michael J. B. Allen: The Platonism of Marsilio Ficino, Berkeley 1984, S. 19â27.
cite-note-5656. â Michel de Montaigne: Essais 1,11, hrsg. von Pierre Villey: Montaigne: Les Essais. Livre I, 2. Auflage, Paris 1992, S. 44.
cite-note-5757. â Denis Diderot: PensĂ©es sur lâinterprĂ©tation de la Nature 30 f., hrsg. von Jules AssĂ©zat: Ćuvres complĂštes de Diderot, Band 2, Paris 1875, S. 7â63, hier: 24.
cite-note-5858. â Russell Goulbourne: Voltaireâs Socrates. In: Michael Trapp (Hrsg.): Socrates from antiquity to the Enlightenment, Aldershot 2007, S. 229â247, hier: 233 f.
cite-note-5959. â Michael Trapp: Representing Socratesâ daimonion, from Heiligenkreuz to Simeon Solomon, S. 10 (online).
cite-note-6060. â Friedrich Schleiermacher: Geschichte der Philosophie. Vorlesungen ĂŒber Sokrates und Platon. In: Peter M. Steiner (Hrsg.): Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher: Ăber die Philosophie Platons, Hamburg 1996, S. 3â20, hier: 7 (Text aus Nachschriften zu Vorlesungen aus der Zeit zwischen 1819 und 1823).
cite-note-6161. â Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen ĂŒber die Geschichte der Philosophie I (= Hegel: Werke, Bd. 18), hrsg. von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt 1971, S. 490â502, 507. Vgl. Ken Frieden: Genius and Monologue, Ithaca/London 1985, S. 28â33; Philippe Hoffmann: Le sage et son dĂ©mon. La figure de Socrate dans la tradition philosophique et littĂ©raire. In: Ăcole Pratique des Hautes Ătudes, Section des Sciences Religieuses: Annuaire. RĂ©sumĂ©s des confĂ©rences et travaux, Band 94, 1985â1986, S. 417â435, hier: 432â434.
cite-note-6262. â Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts (= Hegel: Werke, Bd. 7), hrsg. von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt 1970, S. 448 (§ 279).
cite-note-6363. â SĂžren Kierkegaard: Ăber den Begriff der Ironie mit stĂ€ndiger RĂŒcksicht auf Sokrates, ĂŒbersetzt von Emanuel Hirsch, DĂŒsseldorf/Köln 1961, S. 164â171, 174.
cite-note-6464. â Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena, Band 1, MĂŒnchen 1913, S. 286 f.
cite-note-6565. â Friedrich Nietzsche: Götzen-DĂ€mmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt. In: Nietzsche: Gesammelte Werke, Band 17, MĂŒnchen 1926, S. 51â163, hier: 64.
cite-note-6666. â Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches. Erster Band. In: Nietzsche: Gesammelte Werke, Band 8, MĂŒnchen 1923, S. 1â400, hier: 125.
cite-note-6767. â Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik. In: Nietzsche: Gesammelte Werke, Band 3, MĂŒnchen 1920, S. 17â165, hier: 93. Vgl. zu Nietzsches Auffassung Philippe Hoffmann: Le sage et son dĂ©mon. La figure de Socrate dans la tradition philosophique et littĂ©raire. In: Ăcole Pratique des Hautes Ătudes, Section des Sciences Religieuses: Annuaire. RĂ©sumĂ©s des confĂ©rences et travaux, Band 94, 1985â1986, S. 417â435, hier: 434 f.
cite-note-6868. â Siehe zu dieser Zeichnung Michael Trapp: Representing Socratesâ daimonion, from Heiligenkreuz to Simeon Solomon, S. 1â3, 17â20 (online).
cite-note-6969. â Siehe die einschlĂ€gigen ĂuĂerungen in dem von Pierre DestrĂ©e und Nicholas D. Smith herausgegebenen Sammelband Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. VIII, S. 28 f. Anm. 42, S. 98 f. sowie Anthony A. Long: How Does Socratesâ Divine Sign Communicate with Him? In: Sara Ahbel-Rappe, Rachana Kamtekar (Hrsg.): A Companion to Socrates, Malden 2006, S. 63â74, hier: 65. Vgl. Mario Montuori: Socrates. Physiology of a Myth, Amsterdam 1981, S. 74â86; Ernst Heitsch (Ăbersetzer): Platon: Apologie des Sokrates, Göttingen 2002, S. 189â197; Luis E. Navia: Socrates. The Man and His Philosophy, Lanham 1985, S. 86â88.
cite-note-7070. â Eine Ăbersicht gibt Anthony A. Long: How Does Socratesâ Divine Sign Communicate with Him? In: Sara Ahbel-Rappe, Rachana Kamtekar (Hrsg.): A Companion to Socrates, Malden 2006, S. 63â74, hier: 65â68. Vgl. Mark L. McPherran: The Religion of Socrates, University Park 1996, S. 175â177; Nicholas D. Smith, Paul B. Woodruff (Hrsg.): Reason and Religion in Socratic Philosophy, Oxford 2000, S. 176â204.
cite-note-7171. â Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Platon. Sein Leben und seine Werke, 5. Auflage, Berlin 1959 (1. Auflage Berlin 1919), S. 84 f., 119 f.
cite-note-7272. â Werner Jaeger: Paideia, Berlin/New York 1989 (1. Auflage von Teil II 1944), S. 644 f.
cite-note-7373. â Olof Gigon: Sokrates. Sein Bild in Dichtung und Geschichte, 3. Auflage, TĂŒbingen/Basel 1994 (Erstveröffentlichung 1947), S. 69.
cite-note-7474. â Olof Gigon: Sokrates. Sein Bild in Dichtung und Geschichte, 3. Auflage, TĂŒbingen/Basel 1994 (Erstveröffentlichung 1947), S. 177 f.
cite-note-7575. â Karl Jaspers: Die groĂen Philosophen, Band 1, MĂŒnchen 1957, S. 112.
cite-note-7676. â Martha Nussbaum: Commentary on Edmunds. In: Proceedings of the Boston Area Colloquium in Ancient Philosophy 1 (1985), 1986, S. 231â240, hier: 234.
cite-note-7777. â Gernot Böhme: Der Typ Sokrates, Frankfurt 1988, S. 161â165.
cite-note-7878. â Gregory Vlastos: Socrates. Ironist and moral philosopher, Cambridge 1991, S. 166â174, 282â287; Gregory Vlastos u. a.: Socrates and His Daimonion. In: Nicholas D. Smith, Paul B. Woodruff (Hrsg.): Reason and Religion in Socratic Philosophy, Oxford 2000, S. 176â204, hier: 191 f. (Stellungnahme von 1989).
cite-note-7979. â Thomas C. Brickhouse, Nicholas D. Smith: Platoâs Socrates, New York/Oxford 1994, S. 189â195.
cite-note-8080. â Michael Bingenheimer (Ăbersetzer): Lucius Apuleius von Madaura: De deo Socratis. Der Schutzgeist des Sokrates, Frankfurt 1993, S. 62.
cite-note-8181. â Franz Vonessen: Das Daimonion des Sokrates in platonischer Sicht. In: Herbert Kessler (Hrsg.): Sokrates. Gestalt und Idee, Heitersheim 1993, S. 71â95, hier: 80, 87â89, 92â94.
cite-note-8282. â Mark L. McPherran: The Religion of Socrates, University Park 1996, S. 178 f., 184 f.
cite-note-8383. â Mark L. McPherran: The Religion of Socrates, University Park 1996, S. 186â201.
cite-note-8484. â Richard Kraut: Socrates, Politics, and Religion. In: Nicholas D. Smith, Paul B. Woodruff (Hrsg.): Reason and Religion in Socratic Philosophy, Oxford 2000, S. 13â23, hier: 16â18.
cite-note-8585. â C. David C. Reeve: Socrates the Apollonian? In: Nicholas D. Smith, Paul B. Woodruff (Hrsg.): Reason and Religion in Socratic Philosophy, Oxford 2000, S. 24â39, hier: 24â26.
cite-note-8686. â Thomas C. Brickhouse, Nicholas D. Smith: Socratesâ Daimonion and Rationality. In: Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. 43â62, hier: 58â62.
cite-note-8787. â Mark Joyal: To Daimonion and the Socratic Problem. In: Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. 97â112, hier: 105, 111 f.
cite-note-8888. â Anthony A. Long: How Does Socratesâ Divine Sign Communicate with Him? In: Sara Ahbel-Rappe, Rachana Kamtekar (Hrsg.): A Companion to Socrates, Malden 2006, S. 63â74, hier: 67 f., 73.
cite-note-8989. â Luc Brisson: Socrates and the Divine Signal according to Platoâs Testimony: Philosophical Practice as Rooted in Religious Tradition. In: Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. 1â12, hier: 4.
cite-note-9090. â Mark L. McPherran: Introducing a New God: Socrates and His Daimonion. In: Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. 13â30, hier: 24 f.
cite-note-9191. â Gerd Van Riel: Socratesâ Daemon: Internalisation of the Divine and Knowledge of the Self. In: Pierre DestrĂ©e, Nicholas D. Smith (Hrsg.): Socratesâ Divine Sign: Religion, Practice, and Value in Socratic Philosophy, Kelowna 2005, S. 31â42, hier: 34â36.